Was ist eine hochfunktionale Depression?
Löse deine Depressionen
In diesem Beitrag zeige ich dir, was eine hochfunktionale Depression auszeichnet. Zunächst stelle ich dir ein Fallbeispiel dazu vor. Anschließend stelle ich dir die
typischen Symptome dieser sogenannten atypischen Depression vor und gebe dir mit Christines Weg ein Beispiel dafür, wie ein Therapie aussehen kann.
Christine leidet unter einer hochfunktionalen Depression
Christine ist Abteilungsleiterin in einem mittelständischen Unternehmen. Ihr berufliches Ziel ist es, zur Prokuristin aufzusteigen. Aus diesem Grund nimmt sie neue Aufgaben an, obwohl sie mit ihrem Tagesgeschäft mehr als ausgelastet ist. Sie will ihrer Geschäftsführung beweisen, dass sie es kann und zeigt nach außen Begeisterungsfähigkeit und Stärke.
Sie hat sich angewöhnt, auch noch am Samstagvormittag zu arbeiten, um den Anforderungen gerecht zu werden. Ist sie mit ihrer Arbeit fertig, wartet noch der Haushalt auf sie und der Lebenspartner möchte auch noch von ihr versorgt werden. Wenn Christine mal etwas Zeit für sich hat, tauchen viele Ängste in ihr auf. Vor allem hat sie Angst zu versagen und bei der Geschäftsführung schlecht dazustehen.
Sie hat sich vorgenommen, sich in dem männerdominierten Betrieb durchzusetzen. Sie spürt unglaublich viel Druck in sich, so dass sie das Gefühl hat, einfach nur noch auf der Couch liegen zu wollen und zu weinen. Immer wieder hatte sie den einen Gedanken: Ich kann nicht mehr, doch ich muss.
Bei Einladungen aus dem sozialen Umfeld musste sie wieder ihre Maske aufsetzen und fröhlich und ausgeglichen tun, obwohl ihre Verzweiflung in ihrem Inneren immer mehr zunahm. Von ihrem Lebenspartner fühlt sie sich nicht verstanden, der ihr den Rat gab, dass sie sich doch nicht so verrückt machen sollte. Christine konnte immer weniger abschalten. Aus diesem Grund steigerte sie ihren abendlichen Rotweinkonsum von einem Glas auf drei Gläser.

Symptome einer hochfunktionalen Depression
Bei einer üblichen Depression erlebst du dich als antriebslos, traurig und resignativ und zeigst das in deinem Umfeld. Bei einer hochfunktionalen Depression ist es anders. Solche Menschen sind sehr leistungsfähig und tun alles, um in ihrem Beruf erfolgreich zu sein. Hier spricht man auch von einer atypischen Depression.
Betroffen sind davon vor allem Frauen. Sie zeichnen sich durch einen hohen Anspruch an sich selbst aus und zeigen oft ein perfektionistisches Verhalten. Sie geben ihre ganze Kraft nach außen, um ihre Ziele zu erreichen. Doch gleichzeitig fühlen sie sich innerlich leer und können sich kaum über ihre Erfolge freuen.
Der Grund für dieses Verhalten liegt oft in einem geringen Selbstwertgefühl, deren Wurzel in der Kindheit liegt. Nach außen zeigen Menschen mit einer hochfunktionalen Depression Selbstbewusstsein, Tatkraft und Stärke. Doch kaum sind sie auf sich selbst zurückgeworfen fühlen Sie sich überfordert und erschöpft.
Jeden Tag versuchen sie aufs Neue, ihre Sonnenseite wieder nach außen zu kehren. Doch im Laufe der Zeit wird das immer schwieriger und kann zu einem Zusammenbruch führen. Bei einer atypischen Depression können folgende Symptome auftreten:
- Perfektionistische Ansprüche an sich selbst. Alles muss so sein, wie ich es gerne hätte.
- Nicht Nein sagen können
- Zunehmende Ängste wie Versagensängste, dass die Leistung nicht mehr erbracht werden kann,
- Angst davor, dass man die Maske, dass alles in Ordnung wäre, nicht mehr aufrechterhalten kann

- zunehmende innere Erschöpfung
- Angst vor Abwertung
- Freizeitaktivitäten und Treffen mit Freunden werden als Pflichtaufgaben wahrgenommen und vermitteln keine Freude mehr
- Übertriebenes loyales Verhalten gegenüber anderen. Es fällt schwer, sich gegenüber Vorgesetzten oder Auftraggebern abzugrenzen.
- Zunehmender Alkohol- und Drogenmissbrauch
- Schlaflosigkeit
- sich nicht mehr begeistern können
- Chronische Müdigkeit, gegen die immer wieder angekämpft wird
- schleichender sozialer Rückzug
- gereizte Stimmung, Ärger und hilflose Wut nehmen zu
Der wichtigste Schritt bei einer hochfunktionalen Depression
Menschen mit hochfunktionaler Depressionen haben es oft schwer, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Unterstützung in Anspruch zu nehmen bedeutet für sie, versagt zu haben.
Der wichtigste Schritt, um aus dieser atypischen Depression herauszukommen, ist die Anerkennung der Tatsache, dass Hilfe von außen notwendig ist. Das löst wiederum ein Schuldgefühl aus, weil man etwas nicht richtig gemacht hat. Manchmal hilft es, wenn diese Menschen verstehen, dass Depression eine Krankheit ist. Und Krankheiten sind in der Regel heilbar, brauchen jedoch Behandlung.
Christines Therapie
In den therapeutischen Gesprächen mit Christine stellt sich heraus, dass sie in einem Elternhaus aufwuchs, in der es hauptsächlich um Leistung ging. Die Eltern vermittelten ihr, dass sie noch mehr leisten könnte. Wenn sie mit einer guten Note nach Hause kam, fragten sie nach, warum sie denn keine „eins“ geschrieben hätte.
Darüber hinaus achteten die Eltern übertrieben auf das, was die Nachbarn sagten. Christine wurde stets dazu angehalten, sich ordentlich zu benehmen, anständig zu sein und die Erwartungen und Wünsche ihres Umfeldes vollkommen zu erfüllen. In der Therapie lernte Christine, dass sie Glaubenssätze entwickelt hatte, die in ihr ein niedriges Selbstwertgefühl förderten.
Sie lernte es, sich von diesen Glaubenssätzen zu verabschieden und positive, lebensbejahende Glaubenssätze zu entwickeln. Sie schaute sich die Werte, die sie von ihren Eltern übernommen hatte, kritisch an, sortierte das aus, was nicht zu ihrem optimistischen inneren Wesen passte. Sie lernte es, übertriebene Anspruchshaltung loszulassen, um ihre Work-Life-Balance auszugleichen.
Achtsamkeitsübungen trugen dazu bei, dass sie ihren persönlichen Stress schneller regulieren konnte. In ihrem Freundeskreis wählte sie einige Menschen aus, mit denen sie offen über ihre Krise sprach. Auch wenn Christine immer noch gefährdet ist, in das alte Verhalten zurückzufallen, macht sie doch sehr gute Fortschritte.
Gerne beantworte ich dir deine Fragen zur hochfunktionalen Depression.
Gerne kannst du auch deine Erfahrungen
mit uns teilen. Ich freue mich auf deinen Kommentar.
Kommentar schreiben